Der Zahnarzt der Zukunft ist weiblich. Anstellung oder Selbstständigkeit? Familie und Beruf im Einklang.

Die BZÄK verzeichnete 2017 61,8 Prozent männliche zahnärztlich tätige Mitglieder und 38 Prozent weibliche. Im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2000 ist bei den Zahnärztinnen eine Entwicklung von +4,2 Prozent zu verzeichnen, bei den Zahnärzten hingegen ein Rückgang von -4,2 Prozent. Der Zahnarztberuf wird also vermehrt weiblich. „63 Prozent der unter 35-jährigen Zahnärzte sind Frauen. 63 Prozent der älter als 55- jährigen Zahnärzte sind Männer“, so prangte es groß auf verschiedenen Leinwänden bei der Bundesversammlung (BV) der BZÄK beim jüngst vergangenen Deutschen Zahnärztetag…Nachwuchs und Frauen fördern, im Heute ankommen. Da standen staunende Münder offen. Zumal der gesamte BZÄK-Vorstand aus gestandenen Männern besteht. Wachablösung? Generationswechsel? Neuanfang? Wandel?“, so schreibt die dzw über die Begebenheiten beim diesjährigen Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt.

Immer noch ist der Frauenanteil in den Standesvertretungen verschwindend gering. Dabei ist der Zahnarzt der Zukunft weiblich. Seit Juni 2018 gibt es den Verband der ZahnÄrztinnen“ (VdZÄ). Anlass war ein Dentista-Beschluss, wonach eine solche Gründung als „dringend notwendig“ erachtet wurde“, lesen wir in der zm-online (https://www.zm-online.de/news/politik/eine-neue-standespolitische-stimme-der-zahnaerztinnen/). Zu den Aufgaben und Interessen des Verbandes zählen „die Beteiligung von Zahnärztinnen an der Standespolitik, Weiterbildungsfragen, Notdienstregelungen, Altersversorgung, Mutterschutzregelungen, Rahmenbedingungen für Selbstständige, Angestellte und Studierende, die Situation alleinerziehender Mütter sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten weiblicher wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Hochschulen.“

Gefährden Frauen die zahnmedizinische Versorgung?

2015 schlug bereits der freie Verband Deutscher Zahnärzte Alarm: „An etlichen zahnmedizinischen Fakultäten gibt es keinen männlichen Studenten mehr. Das gefährde die Versorgung“, so die Ärzte Zeitung. Der Verband forderte gar eine Männerquote für die Vergabe von Studienplätzen der Zahnmedizin. „Der Grund: Männer hätten mehr Biss, um eine Einzelpraxis zu führen.“ Die Begründung ist einfach: Bei der Studienplatzvergabe – der Numerus Clausus bei Zahnmedizin liegt je nach Universität bei 1,2 und 1,7 – schneiden weibliche Bewerber deutlich besser ab. So gibt es mittlerweile Studienjahrgänge mit einem 100-prozentigen Frauenanteil. Generell studieren heute deutlich mehr Frauen als Männer Zahnmedizin.

Frauen vereinen Beruf, Privatleben und Familie

Das kann man nun zum großen Problem machen und beklagen. Oder man nimmt diese Tatsache wahr und schafft Möglichkeiten, um auch zukünftig die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland sicherzustellen. Frauen haben andere Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Beides muss zusammen passen. Eigentlich muss es das ja für die männlichen Zahnärzte auch. Glücklicherweise gibt es aber auch verschiedene Möglichkeiten, als Zahnarzt oder als Zahnärztin zu praktizieren. Selbständig niedergelassen, allein oder mit einem Partner, angestellt, und/oder angestellt oder als Vertragszahnarzt im ZMVZ.

Wichtig ist, mit den Begebenheiten, so wie sie sich zeigen, zu arbeiten und die Wege zu bereiten. Dafür müssen Standesvertretungen, Zahnärztinnen und Zahnärzte und die Politik die Weichen stellen.

Auch quintessenz-news.de sieht die „Frauen in der Zahnmedizin auf der Überholspur: Dass gerade in der Zahnmedizin die Frauen für Verstärkung sorgen, sei ein großer Zugewinn, denn auch die Gruppe der Zahnärzte altere ohne ausreichenden Nachwuchs, heißt es in dem Artikel „Wie weiblich wird der Dentalmarkt?“.

Von 2006 bis 2015 stieg die Zahl der Zahnärztinnen von 25.357 kontinuierlich auf 31.495 an. Im selben Zeitraum ist die Anzahl männlicher Kollegen leicht gesunken. 2016 schon war in der Altersgruppe 25 bis 35 Jahre die Mehrheit der praktizierenden Zahnärzte (62,5 Prozent) Frauen. Bei der Altersgruppe über 65 Jahre lag der Frauenanteil bei 22,3 Prozent.

Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben

Der Beruf Zahnarzt wird also mehr und mehr weiblich. Viele Ansprüche und Erfordernisse an das Berufsbild ändern sich damit: Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben muss – gerade für Zahnärztinnen – passen. Karriere, Privatleben und Kinder gehören dazu. Um diese Vereinbarkeit zu bewerkstelligen, streben immer mehr junge Zahnärztinnen für eine gesunde Work-Life-Balance ins Angestelltenverhältnis. Viele möchten auch in Teilzeit arbeiten und generell lässt sich konstatieren, dass der Beruf zeitlich und organisatorisch so flexibel ausgeübt werden kann, dass Privatleben und Kinder genauso ihren Platz haben. Das bedeutet aber nicht automatisch der Verzicht auf eine eigene Niederlassung; viele, gar die meisten der jungen Zahnärztinnen (und Zahnärzte) streben nach wie vor in die Selbstständigkeit.

Dr. Angelika Brandl-Naceta-Susic, Vorsitzende des Deutschen Zahnärzte Verbandes, plädiert für „neue und zeitgemäße Praxiskonzepte, die die individuelle Lebensplanung inklusive Traumberuf Zahnärztin ermöglichen. Sie schlägt beispielsweise eine Praxisgemeinschaft unter Kolleginnen vor, mit eigenem Zimmer und privat angestelltem Betreuungspersonal für die Kinder aller Mitarbeiter. Das mache die Eigentümer extrem flexibel und die Praxis zusätzlich attraktiv.“

Schauen wir also gespannt darauf, wie das Berufsbild Zahnarzt und Zahnärztin sich wandelt. Mit allem, was dazu gehört. Und ebnen wir für eine gute zahnmedizinische Versorgung in Deutschland jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten den Weg. Der Bundesverband für nachhaltige Zahnheilkunde e. V. steht für den Dialog bereit. Wir freuen uns, mitwirken zu können an einer zeitgemäßen und zukunftsfähigen Lösung.

2019-01-21T14:11:05+00:0020.12.2018|
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