Die Zukunft der Zahnmedizin ist weiblich

Mit diesem Positionspapier zeigt der BNZK die Folgen des bereits einsetzenden Generatio- nenwechsels auf, der zu einem grundlegenden Wandel in der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland führt. Der Gesetzgeber muss nun die Rahmenbedingungen für die zahnmedizi- nische Versorgung so gestalten, dass nachvollziehbare Individualinteressen der Zahnärzte, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, fair und ausgewogen mit denen der nach- rückenden Generationen in Einklang gebracht werden. Die nachrückende Generation ist in ihrer überwiegenden Mehrheit weiblich und hat eine deutlich andere Erwartungshaltung an den Beruf und seine Arbeitsbedingungen. Zahnmedizinische Versorgungszentren (ZMVZ) spie- len für die Zukunft der Versorgung in Deutschland eine wichtige Rolle, weil sie Chancen bie- ten, den Strukturwandel der Versorgungs- sowie der Qualitätssicherung zu gestalten. Dies gilt für das gesamte Umfeld: Patienten, Fachpersonal und Zahnärztinnen.

 

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Die Generationen X, Y, Z.

Wer heute gute Mitarbeiter finden und langfristig binden möchte, muss wissen, wie er diese anspricht, welche Wünsche und Bedürfnisse diese an ihr Arbeitsleben stellen und welche Werte für sie zählen. Seit über 10 Jahren steht nun für Unternehmen das Thema „Generation Y“ auf der Agenda. Und die nächste Generation Z startet bald ins Arbeitsleben. Wie unterscheiden sich die Generationen voneinander? Wer heute erfolgreich sein will, braucht gute Mitarbeiter. Eine Zahnarztpraxis kann ohne gutes Personal nicht funktionieren. Deshalb ist es so entscheidend, die Bedürfnisse der Mitarbeiter und der zukünftigen Mitarbeiter zu kennen, um auf diese eingehen zu können.

Die Mitarbeiter entscheiden darüber, wie die Praxis wahrgenommen wird.
Die Mitarbeiter einer Praxis bilden den ersten Kontakt zum Patienten und bereits am Telefon wird oft darüber entschieden, ob die Praxis einen guten Eindruck macht. Faktoren, die zunächst nichts mit der Zahnmedizin zu tun haben, entscheiden zum Großteil darüber, ob ein Patient Patient wird und bleibt. Wie wird er begrüßt? Muss er lange auf einen Termin warten? Wird auf ihn und seine Bedürfnisse eingegangen? Fühlt er sich abgeholt und ernstgenommen? Kann man ihm die Angst vor dem Zahnarztbesuch nehmen und ihm das Gefühl geben, hier richtig zu sein? Fragen, die wir immer weiterführen können und die sehr schnell verdeutlichen, wie sehr das Praxispersonal für den Erfolg der Praxis verantwortlich ist. Das ist hinlänglich bekannt und doch muss es immer wieder in Erinnerung gerufen werden: Wer heute als Zahnarzt erfolgreich seine Praxis führen will, braucht gute und vor allem zufriedene Mitarbeiter. Bei der Personalsuche, der Personalarbeit und dem Führungsstil muss man die Bedürfnisse der einzelnen Generationen kennen. Wer sind diese und was brauchen sie, um zufrieden und glücklich ihren Job gut zu machen?

Ein Blick auf die Generationen X, Y und Z.

Generation X
Sie sind zwischen 1965 und 1983 geboren. Sie arbeiten bereits und haben vielleicht sogar Führungsverantwortung oder sind erfolgreiche Unternehmer. Sie haben ihre Kindheit noch ohne Computer erlebt und waren als Erwachsene Zeuge der Entwicklung von der analogen zur digitalen Technologie.

Generation Y
Sie sind zwischen 1984 und 1996 geboren und mit einem noch nie dagewesenen Zugang zu Technologie aufgewachsen. Einige Vertreter der Generation Y studieren noch und andere arbeiten bereits. Generelle Charakteristika: Sie wollen einzigartig und individuell sein und sich selbst verwirklichen. Dies gilt insbesondere auch für die eigene Weiterbildung und Flexibilität. Die Generation Y sucht nach interessanten Aufgaben und schneller Weiterentwicklung.

Generation Z
Sie sind nach 1984 geboren und möchten die Welt ein Stückchen besser machen. Sie stehen an der Schwelle zum Arbeitsleben. Sie sind die „Digital Natives“ und in einer nicht-digitalen Welt ziemlich hilflos. Die Generation Z will sowohl selbst- und eigenständig sein, gleichzeitig kein Risiko eingehen und geborgen und sicher in einer Gemeinschaft eingebunden sein. Das erscheint in sich widersprüchlich. Eine deutliche Trennung von Arbeits- und Berufsleben und geregelte Arbeitszeiten und der eigene Schreibtisch oder Arbeitsplatz sind für die Generation Z von zentraler Bedeutung. Sie streben nach klaren Strukturen und das bereits in der Ausbildung. Sie widersprechen Autoritäten weniger und vermeiden direkte Konfrontationen. Probleme werden nicht im direkten Gespräch diskutiert, sondern lieber ins Internet gestellt.

Für Unternehmer heißt das, die verschiedenen Generationen besser zu verstehen. Es geht nicht darum, allen Ansprüchen der einzelnen Generationen zu folgen. Vielmehr geht es aber darum, zu verstehen, wie und wo ich meine Mitarbeiter finden und erreichen kann. Während ein Vertreter der Generation X vermutlich kein Problem damit hat, während der Arbeitszeit sein Handy nicht zu benutzen, dürfte dies für Vertreter der nachfolgenden Generationen einen undenkbaren Einschnitt bedeuten. Dies ist nur ein kleines Beispiel – aber es ist sinnbildlich für die Ausgestaltung eines Arbeitsplatzes und für zufriedene Mitarbeiter. Ein Unternehmer muss überdenken, welchen Anforderungen er folgen kann und will, um die verschiedenen Erwartungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter zu managen. So kann ein Team beständig wachsen und gedeihen.

Mehr Frauen in der Zahnmedizin
Im Vergleich zu Männern zeigen sich anhand aktueller Studienergebnisse Frauen generell deutlich ängstlicher. Die bereits arbeitenden Frauen der Generationen X und Y fürchten vor allem fehlende Entwicklungsmöglichkeiten. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Generationen: 52 Prozent der arbeitenden Frauen der Generation Y sorgen sich, eigene Karriereziele nicht erreichen zu können. In der Generation X sind dies nur 40 Prozent. Auch die Angst, der Job entspräche nicht der eigenen Persönlichkeit, ist in der Generation Y ausgeprägter als in der Generation X. In Deutschland ist die größte Angst der Frauen aus der Generation X, dass sie keine ausreichenden Entwicklungsmöglichkeiten haben. Dies gaben 57 Prozent von ihnen an, im Vergleich zu 39 Prozent der Männer. Auch die berufstätigen Frauen der Generation Y befürchten dies besonders häufig, eine ebenso große Rolle spielt für sie aber auch, ob sie einen Job finden, der ihrer Persönlichkeit entspricht.

Flexiblere Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben und Familie, die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, eine angenehme Arbeitsatmosphäre, ein gutes Team und nette Kollegen, Verständnis und Wahrgenommen werden durch Vorgesetzte, und Absicherung sind die großen Themen.

Berufliche Weiterentwicklung
In allen drei Generationen ist die Sorge weit verbreitet, beruflich auf der Stelle zu treten und keine Entwicklungsmöglichkeiten zu haben. Diese Generationen suchen ein Arbeitsumfeld in dem sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten genießen, um zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Sicherheit
Vor allem die Generation Z hat ihre Jugend infolge von Terrorismus, Klimaerwärmung oder Wirtschaftskrisen unsicher erlebt und strebt infolge dessen nach einer hohen Arbeitsplatzsicherheit. Auch solche Berufe, die die Generationen X und Y als langweilig einstuften oder ganz für sich ablehnten, gewinnen bei der Generation X wieder an Bedeutung.

Beruf und Persönlichkeit müssen zusammen passen
Gerade die jüngeren Generationen fürchten, dass ihr Berufsleben nicht zu ihrer Persönlichkeit passt. In Deutschland sind das laut saatkorn 58 Prozent. (https://www.saatkorn.com/studie-wieunterscheidet-sich-generation-x-y-und-z/) Diese Angst ist aber auch unter den Generationen, die im Arbeitsleben stehen, ausgeprägt. Eine Umfrage ergab, dass sie 42 Prozent der Generation X umtreibt.

Unternehmer oder Angestellter? Wie wollen die Generationen X, Y und Z jetzt und in Zukunft arbeiten?
Bei den meisten würde die Wahl auf internationale Unternehmen oder auf ein eigenes Unternehmen oder auf Startups fallen. Alle drei Generationen prägt ein großer Unternehmergeist – vor allem die Berufstätigen der Generationen X und Y. Studierende der Generationen Y und Z zieht es bevorzugt in internationale Konzerne. Jeder Dritte von Ihnen zeigt aber auch ein Streben hin zum eigenen Unternehmen oder zur Beteiligung an einem Startup.

Wer kann das heute abbilden?
Gerade größere Praxisstrukturen und zahnmedizinische Versorgungszentren (ZMVZ) haben die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern eine höhere zeitliche Flexibilität und die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben anzubieten. Hier besteht ferner eine höhere Chance, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und sich zu spezialisieren. Der Austausch mit Kollegen, die Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben wird in einer größeren, professionell aufgestellten Praxis eher gewährleistet. Auch das verstärkte Bedürfnis nach Sicherheit und Beständigkeit kann hier längerfristig gesichert werden. Je professioneller eine Praxis aufgestellt ist, desto einfacher wird sie individuelle Spezialisierungs- und Weiterbildungskonzepte anbieten können. Die Ausübung des Berufs in einer größeren Struktur ermöglicht vielen jungen Leuten – vor allem Frauen – zeitliche Flexibilität, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Chance auf persönliche Entfaltung und Weiterbildung und die Sicherheit einer langfristigen und beständigen beruflichen Laufbahn.

Auf der anderen Seite wird auch weiterhin der selbstständige Zahnarztunternehmer (und dazu zählen ebenso die Zahnärztinnen) Zukunft haben. Gerade in der Generation Z sehen wir eine starke Tendenz in Richtung Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit.

Der Zahnarzt der Zukunft ist weiblich. Anstellung oder Selbstständigkeit? Familie und Beruf im Einklang.

Die BZÄK verzeichnete 2017 61,8 Prozent männliche zahnärztlich tätige Mitglieder und 38 Prozent weibliche. Im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2000 ist bei den Zahnärztinnen eine Entwicklung von +4,2 Prozent zu verzeichnen, bei den Zahnärzten hingegen ein Rückgang von -4,2 Prozent. Der Zahnarztberuf wird also vermehrt weiblich. „63 Prozent der unter 35-jährigen Zahnärzte sind Frauen. 63 Prozent der älter als 55- jährigen Zahnärzte sind Männer“, so prangte es groß auf verschiedenen Leinwänden bei der Bundesversammlung (BV) der BZÄK beim jüngst vergangenen Deutschen Zahnärztetag…Nachwuchs und Frauen fördern, im Heute ankommen. Da standen staunende Münder offen. Zumal der gesamte BZÄK-Vorstand aus gestandenen Männern besteht. Wachablösung? Generationswechsel? Neuanfang? Wandel?“, so schreibt die dzw über die Begebenheiten beim diesjährigen Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt.

Immer noch ist der Frauenanteil in den Standesvertretungen verschwindend gering. Dabei ist der Zahnarzt der Zukunft weiblich. Seit Juni 2018 gibt es den Verband der ZahnÄrztinnen“ (VdZÄ). Anlass war ein Dentista-Beschluss, wonach eine solche Gründung als „dringend notwendig“ erachtet wurde“, lesen wir in der zm-online (https://www.zm-online.de/news/politik/eine-neue-standespolitische-stimme-der-zahnaerztinnen/). Zu den Aufgaben und Interessen des Verbandes zählen „die Beteiligung von Zahnärztinnen an der Standespolitik, Weiterbildungsfragen, Notdienstregelungen, Altersversorgung, Mutterschutzregelungen, Rahmenbedingungen für Selbstständige, Angestellte und Studierende, die Situation alleinerziehender Mütter sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten weiblicher wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Hochschulen.“

Gefährden Frauen die zahnmedizinische Versorgung?

2015 schlug bereits der freie Verband Deutscher Zahnärzte Alarm: „An etlichen zahnmedizinischen Fakultäten gibt es keinen männlichen Studenten mehr. Das gefährde die Versorgung“, so die Ärzte Zeitung. Der Verband forderte gar eine Männerquote für die Vergabe von Studienplätzen der Zahnmedizin. „Der Grund: Männer hätten mehr Biss, um eine Einzelpraxis zu führen.“ Die Begründung ist einfach: Bei der Studienplatzvergabe – der Numerus Clausus bei Zahnmedizin liegt je nach Universität bei 1,2 und 1,7 – schneiden weibliche Bewerber deutlich besser ab. So gibt es mittlerweile Studienjahrgänge mit einem 100-prozentigen Frauenanteil. Generell studieren heute deutlich mehr Frauen als Männer Zahnmedizin.

Frauen vereinen Beruf, Privatleben und Familie

Das kann man nun zum großen Problem machen und beklagen. Oder man nimmt diese Tatsache wahr und schafft Möglichkeiten, um auch zukünftig die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland sicherzustellen. Frauen haben andere Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Beides muss zusammen passen. Eigentlich muss es das ja für die männlichen Zahnärzte auch. Glücklicherweise gibt es aber auch verschiedene Möglichkeiten, als Zahnarzt oder als Zahnärztin zu praktizieren. Selbständig niedergelassen, allein oder mit einem Partner, angestellt, und/oder angestellt oder als Vertragszahnarzt im ZMVZ.

Wichtig ist, mit den Begebenheiten, so wie sie sich zeigen, zu arbeiten und die Wege zu bereiten. Dafür müssen Standesvertretungen, Zahnärztinnen und Zahnärzte und die Politik die Weichen stellen.

Auch quintessenz-news.de sieht die „Frauen in der Zahnmedizin auf der Überholspur: Dass gerade in der Zahnmedizin die Frauen für Verstärkung sorgen, sei ein großer Zugewinn, denn auch die Gruppe der Zahnärzte altere ohne ausreichenden Nachwuchs, heißt es in dem Artikel „Wie weiblich wird der Dentalmarkt?“.

Von 2006 bis 2015 stieg die Zahl der Zahnärztinnen von 25.357 kontinuierlich auf 31.495 an. Im selben Zeitraum ist die Anzahl männlicher Kollegen leicht gesunken. 2016 schon war in der Altersgruppe 25 bis 35 Jahre die Mehrheit der praktizierenden Zahnärzte (62,5 Prozent) Frauen. Bei der Altersgruppe über 65 Jahre lag der Frauenanteil bei 22,3 Prozent.

Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben

Der Beruf Zahnarzt wird also mehr und mehr weiblich. Viele Ansprüche und Erfordernisse an das Berufsbild ändern sich damit: Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben muss – gerade für Zahnärztinnen – passen. Karriere, Privatleben und Kinder gehören dazu. Um diese Vereinbarkeit zu bewerkstelligen, streben immer mehr junge Zahnärztinnen für eine gesunde Work-Life-Balance ins Angestelltenverhältnis. Viele möchten auch in Teilzeit arbeiten und generell lässt sich konstatieren, dass der Beruf zeitlich und organisatorisch so flexibel ausgeübt werden kann, dass Privatleben und Kinder genauso ihren Platz haben. Das bedeutet aber nicht automatisch der Verzicht auf eine eigene Niederlassung; viele, gar die meisten der jungen Zahnärztinnen (und Zahnärzte) streben nach wie vor in die Selbstständigkeit.

Dr. Angelika Brandl-Naceta-Susic, Vorsitzende des Deutschen Zahnärzte Verbandes, plädiert für „neue und zeitgemäße Praxiskonzepte, die die individuelle Lebensplanung inklusive Traumberuf Zahnärztin ermöglichen. Sie schlägt beispielsweise eine Praxisgemeinschaft unter Kolleginnen vor, mit eigenem Zimmer und privat angestelltem Betreuungspersonal für die Kinder aller Mitarbeiter. Das mache die Eigentümer extrem flexibel und die Praxis zusätzlich attraktiv.“

Schauen wir also gespannt darauf, wie das Berufsbild Zahnarzt und Zahnärztin sich wandelt. Mit allem, was dazu gehört. Und ebnen wir für eine gute zahnmedizinische Versorgung in Deutschland jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten den Weg. Der Bundesverband für nachhaltige Zahnheilkunde e. V. steht für den Dialog bereit. Wir freuen uns, mitwirken zu können an einer zeitgemäßen und zukunftsfähigen Lösung.

Der Generationenwechsel

„In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden gut 20.000 Zahnarztpraxen einen Nachfolger suchen. Die jüngere, nachrückende Generation hat andere Vorstellungen der Berufsausübung. Setzt die Standespolitik derzeit die richtigen Schwerpunkte? Die Frage stellt sich“, so lesen wir im Leitartikel „Tage der Entscheidung“ in der DZW.

Die Bedürfnisse jüngerer Zahnärzte an das Berufsbild und die Möglichkeiten wandeln sich. Hier wird es zunehmend wichtiger und notwendiger werden, entsprechende Angebote zu schaffen. Der Markt ist in Bewegung und die Möglichkeiten eröffnen sich. Neben der immer noch größten Anzahl junger Zahnärztinnen und Zahnärzte, die die Selbständigkeit in eigener Praxis oder die Niederlassung zusammen mit einem Partner/in anstreben, gibt es mehr und mehr, die das Angestelltenverhältnis in der Praxis oder größeren Strukturen, wie ZMVZ sie abbilden, suchen. Beide Wege – Selbständigkeit oder Anstellung haben ihre Vor- und Nachteile. Was sich jeder, der sich selbständig niederlässt fragen muss, ist, ob er die Bereitschaft mitbringt, neben dem Zahnarztberuf auch Unternehmer sein zu wollen.

Die meisten jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte streben in die Selbständigkeit. Doch die Zahl der Niederlassungen ist seit 2006 konstant rückläufig.

Die meisten jungen Zahnärzte, so die aktuellen Ergebnisse der jährlich erhobenen Existenzgründer-Analyse vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, streben nach wie vor in die Selbständigkeit: „2017 haben sich 71 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründer für die Selbständigkeit entschieden“, heißt es dort. „Die mit Abstand häufigste Art, sich als Zahnarzt niederzulassen, sei die Übernahme einer bestehenden Praxis, um diese dann als Einzelpraxis weiterzuführen – 2017 sind 64 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründer diesen Weg gegangen.“

Dennoch ist seit 2006 die Zahl der Zahnarzt-Niederlassungen in Deutschland rückläufig, so zeigen es die Zahlen im KZBV-Jahrbuch 2017: Von 65.379 behandelnden Zahnärzten insgesamt waren in 2006 knapp 86 Prozent niedergelassen (56.152 niedergelassene Zahnärzte). 2016 waren es nur noch 72 Prozent: Von den insgesamt 71.926 behandelnden Zahnärzten waren nur noch 51.956 niedergelassen. Dieser Trend hält seit 2006 an.

Andere Wünsche an das Berufsbild „Zahnarzt“.

Viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte wollen heute anders arbeiten. Wir verzeichnen nicht nur einen Generationenwechsel sondern auch einen Wechsel der Lebensplanungen: Die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf hat einen höheren Stellenwert bekommen. Zeit für Familie und Kinder, flexible Arbeitszeiten und Planbarkeit von Arbeits- und freier Zeit sind nach vorn gerückt. So möchten heute immer mehr junge Zahnärztinnen und Zahnärzte den Beruf in ihr Leben integrieren, nicht aber mehr ihre Lebensplanung dem Beruf unterordnen. Deshalb sei es so wichtig, konstatiert auch die DZW, „die Arbeits- und Lebensrealität der jüngeren Zahnärzte in der Standespolitik zu berücksichtigen. Was sie wollen, lässt sich gut am Erfolg der ZMVZ zeigen, flexible Arbeitszeitmodelle, modernes Arbeitsumfeld, Teamarbeit, stetige Weiterbildung und Wegfall der Verwaltung.“

Neue, gemeinsame Lösungen für die nachhaltige zahnmedizinische Versorgung in Deutschland.

Darum zu wissen, die Gegebenheiten zu kennen, ist wichtig, um die Zukunft der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland sicherzustellen und einer Unterversorgung – vor allem auf dem Land – entgegenzuwirken. Was passiert nun, mit den 20.000 Zahnarztpraxen, die in den kommenden 10 bis 15 Jahren zur Abgabe stehen – aber keine Nachfolger finden? Hier sind neue, andere Lösungen gefragt: Von Seiten der Zahnärzte, der Standesvertretungen und der Politik.

Zahnmedizinische Versorgungszentren (ZMVZ) sind eine mögliche Versorgungslösung.

Eine mögliche Lösung bieten sicherlich zahnmedizinische Versorgungszentren, ZMVZ: Eine Hauptpraxis wird als (Fachzahnarzt-)Zentrum betrieben. Dort liegt der gesamte Verwaltungs-, Organisations- und Regulationsaufwand. Eine Reihe von umliegenden Zahnarztpraxen, die einen Nachfolger suchen, können dazu übernommen werden und jeweils als einzelne Satelliten-Praxen weiterbetrieben werden. Der Personalaufwand, die Verwaltung und Organisation erfolgen zentral über die Hauptpraxis. Jede der einzelnen Praxen ist für sich ein ZMVZ.

Um solch ein Konstrukt – wie sehr erfolgreich bei der Zahnheimat in Ostfriesland geschehen – zu ermöglichen, bedarf es natürlich vor allem finanzieller Mittel. Hier kann ein Investor ins Spiel kommen. Dieser nimmt keinen Einfluss auf die zahnmedizinische Behandlung, Versorgung und Therapieentscheidung, sondern ausschließlich auf die betriebswirtschaftliche Seite des „Unternehmens Zahnarztpraxis“.

Die Therapiefreiheit und die Behandlungsunabhängigkeit des Zahnarztes bleiben unberührt.

Jeder Zahnarzt, der in einem ZMVZ arbeitet – ob angestellt oder als Vertragszahnarzt – ist und bleibt Freiberufler; er arbeitet behandlungsunabhängig und ist frei in seiner Therapie. Das sei an dieser Stelle noch einmal besonders hervorgehoben. Denn immer wieder wird in der aktuellen Berichterstattung und leider besonders von Seiten der Standesvertretungen versucht, ZMVZ zu diskreditieren und die Angst zu schüren, Investoren entschieden darüber, wie ein Zahnarzt zu behandeln habe. Das widerspricht der Gesetzeslage und ist schlicht und ergreifend falsch.

Es bedarf konstruktiver Lösungen – Diskreditierung von Seiten der Standesvertretungen trägt dazu nicht bei.

„Statt die veränderten Wünsche und Anforderungen an ein Berufsbild zu berücksichtigen“, so die DZW, „werden sie von Seiten der KZBV im allgemeinen ZMVZ-Bashing diskreditiert. Einem im ZMVZ angestellten Zahnarzt wird permanent unterschwellig unterstellt, er arbeite nicht für das Gemeinwohl, sondern für die Rendite eines Investors. Das mag man sich auf der Zunge zergehen lassen.“

„Jeder wird zusehen, gute Zahnärzte zu halten.“ schreibt die DZW. „Das geht nicht durch renditegetriebene Behandlungsanweisungen. Ohne Qualität wird keine Praxis wirtschaftlich laufen. Trotzdem läuft das Wort „Renditeerwartung“ als Drohkulisse in Dauerschleife, als wäre Renditeerwartung nicht auch Teil eines unternehmerisch denkenden selbständigen Zahnarztes. Die größten ZMVZ in Deutschland, hinter denen ein Private-equity-Investor steht, verfügen über je 19 Standorte. In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden gut 20.000 Zahnarztpraxen einen Nachfolger suchen. Die jüngere, nachrückende Generation hat andere Vorstellungen der Berufsausübung. Setzt die Standespolitik derzeit die richtigen Schwerpunkte?“

Selbstverständlich können Investoren allein das Problem nicht lösen – sie können das Problem sicherlich an vielen Stellen auffangen. Die Lösung einer flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung muss gemeinsam gefunden werden. Der Bundesverband für nachhaltige Zahnheilkunde e. V. steht an dieser Stelle gern als lösungsorientierter Gesprächspartner zur Verfügung. Wir sind der Zukunft der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland verpflichtet.

Die Freiheit zu entscheiden – wie ich als Zahnärztin oder als Zahnarzt arbeiten möchte.

Heute haben Zahnärztinnen und Zahnärzte vermehrt die Möglichkeit und die Freiheit zu entscheiden, wie, wieviel und mit wem (oder mit wem nicht) sie arbeiten möchten. Nach wie vor ist die Einzelpraxis für Zahnärzte der beliebteste Weg, um in die Selbständigkeit zu starten. Dazu ein paar Zahlen: „2017 haben sich 71 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründer für die Selbständigkeit entschieden.“, konstatiert die Deutsche Apotheker und Ärztebank in ihrer jährlichen, zusammen mit dem Institut der deutschen Zahnärzte (IDZ) veröffentlichten Analyse von Existenzgründungen. „Die mit Abstand häufigste Art, sich als Zahnarzt niederzulassen, ist die Übernahme einer bestehenden Praxis, um diese dann als Einzelpraxis weiterzuführen – 2017 sind 64 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründer diesen Weg gegangen.“

Dagegen fänden Neugründungen von Einzelpraxen nur selten statt: Hier liegt der Anteil seit 2015 bei konstant sieben Prozent. Auch die Niederlassung mit Partnern in Form einer Kooperation sei 2017 im Vergleich zum Vorjahr zugunsten der Einzelpraxis rückläufig gewesen und betrug 29 Prozent, heißt es weiter. Im Durchschnitt sei ein Existenzgründer heute 35,5 Jahre jung, jeder zweite Zahnarzt war bei seiner Niederlassung jünger. Das mag auch damit zusammenhängen, so belegen es die Auswertungen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, dass mit steigendem Alter, die Investitionsbereitschaft sinke. „Zahnärzte unter 35 Jahren gaben im Durchschnitt 325.000 Euro für Praxiskauf und Modernisierung aus, um sich in einer Einzelpraxis niederzulassen. Existenzgründer, die sich mit 45 Jahren und älter für eine eigene Zahnarztpraxis entschieden haben, investierten hingegen mit 216.000 Euro deutlich weniger.“ Weiterhin kommt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank zu der Erkenntnis, dass auch Kooperationen eher von Jüngeren eingegangen werden: So haben sich 2017 35 Prozent der unter 35-Jährigen und nur 11 Prozent der über 45-Jährigen mit einem Partner in gemeinsamer Praxis niedergelassen.

Der Trend zur Ausübung des Zahnarztberufs ist, wie man sieht, die Selbstständigkeit in der Einzelpraxis oder die Niederlassung zusammen mit einem Partner. Junge, ambitionierte Zahnärzte, die nicht nur Lust auf Zahnmedizin sondern vor allem auch auf Unternehmertum haben – mit allen Freiheiten und allen Entwicklungsmöglichkeiten, allen Erfordernissen und Herausforderungen, die das mit sich bringt.

Was ist mit denen, die das nicht wollen? Die ihren Beruf „Zahnarzt“ ausüben möchten, nicht aber Unternehmer
sein wollen? Sie haben die Möglichkeit, angestellt zu arbeiten. Selbstredend mit allen Vor- und Nachteilen. Was gleich bleibt, ist die Profession: Zahnmedizin. Ob ein Zahnarzt oder eine Zahnärztin nun selbständig niedergelassen ist, allein oder mit einem Partner – oder im Angestelltenverhältnis arbeitet, spielt doch für den eigentlichen Beruf „Zahnarzt/Zahnärztin“ überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, dass derjenige mit seiner Wahl zufrieden ist und so seinen Beruf ausüben kann, wie er oder sie sich das vorstellt. Und vor allem sind das Wohl und die Versorgung des Patienten wichtig.

Wie sieht nun die zahnärztliche Versorgung der Zukunft aus?
Wir brauchen die freie Wahl – für Patienten und für Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Dr. Wieland Schinnenburg, Mitglied des Bundestags (FDP), war einer der Referenten beim Politik-Frühstück am 12. Dezember 2018 beim Tagesspiegel in Berlin zum Thema „zahnärztliche Versorgung der Zukunft“. Er verdeutlichte, dass wir in der Tat „die freie Wahl – für Patienten und für Zahnärzte bräuchten. Zahnärzte sollen für den Patienten arbeiten und weniger Aufwand mit Bürokratie haben – egal ob als Angestellter im ZMVZ oder als niedergelassener Zahnarzt.“

Damit bringt er die Sache auf den Punkt: Nicht die Struktur, in der ein Zahnarzt arbeitet, ist ausschlaggebend für seine Profession als Zahnarzt. Es ist seine Zeit, sein Wissen, sein Können und sein Einsatz für die Patienten; seine Behandlungsunabhängigkeit und seine Therapiefreiheit. (Hier sei noch einmal erwähnt: Jeder Zahnarzt – ob selbständig oder angestellt ist Freiberufler – und damit frei in seiner medizinischen Behandlung).

Jeder Patient wird sich vermutlich glücklich schätzen, wenn er nicht lange auf einen Termin warten muss; wenn er freundlich empfangen und zahnmedizinisch kompetent betreut wird, vor allem aber auch merkt, dass sein Zahnarzt oder seine Zahnärztin sich Zeit für ihn nimmt und ihm die individuell bestmögliche zahnmedizinische Versorgung anbieten kann – dann sind doch alle glücklich. Was dazu unternehmerisch notwendig ist, muss unternommen werden. Die Praxis muss laufen, gut ausgestattet sein, vor allem aber gute und engagierte Mitarbeiter haben, die das Ganze tragen. Entscheidend für eine gute zahnmedizinische Versorgung der Patienten ist doch, dass sowohl die Zahnärzte als auch das Praxisteam einen guten Job machen und dass das „Unternehmen Zahnarztpraxis“ – gleich in welcher Struktur es dasteht – gesund ist und auf stabilen Beinen steht.

Mitarbeiter gewinnen und halten: Große Strukturen bieten erhebliche Vorteile.

Geeignetes Personal zu finden und zu halten, ist mit Sicherheit – neben der Digitalisierung – eine der großen Herausforderungen für Zahnarztpraxen. Schon jetzt geben viele Praxen große Summen für Stellenanzeigen und Personalkampagnen aus. Doch was macht einen Arbeitgeber eigentlich attraktiv? Aktuelle Studien zeigen, dass sich Arbeitnehmer vor allem die Möglichkeit zur Weiterentwicklung wünschen. Sie möchten in einem angenehmen Umfeld Ihre Passion ausüben.

Durch die gute wirtschaftliche Lage ist die Bereitschaft, den Arbeitgeber regelmäßig zu wechseln, gestiegen. Doch eine hohe Fluktuation bedeutet für Arbeitgeber einen enormen Kostenaufwand und den ständigen Verlust von Know-how.

Eine transparente Unternehmenskultur, Respekt und Wertschätzung sind mit Sicherheit grundlegende Bausteine zur Sicherung von Personal. Aktuell ist vor allem die Berücksichtigung der privaten Situation ein Zufriedenheitsfaktor. Kommt es hier zu ständigen Kompromissen, wird die Arbeit als „nicht passend“ empfunden.

Welche Vorteile haben große Strukturen?

Viele Arbeitgeber klagen über die Generation Y und das Streben nach einer Work-Life-Balance. Dabei ist das  selbstbestimmte Arbeiten für diese Generation gar nicht so wichtig. Sie möchten vielmehr in geordneten Strukturen ihren Platz einnehmen. Hier bieten große Zentren mit verschiedenen Fachrichtungen häufig erhebliche Vorteile: Flexible  Arbeitszeiten, feste Arbeitsabläufe und die Möglichkeit, innerhalb eines Unternehmens verschiedene Tätigkeiten auszuführen, wirken anziehend. Kommen Mitarbeiter gerne zur Arbeit, wirkt sich dies nicht nur positiv auf die Praxisentwicklung aus, sondern schafft auch eine Basis, um neues Personal zu gewinnen. Denn nichts wirkt so anziehend wie zufriedenes Personal.